Sommer 2018 Die Ostküste

La Jefa, die Capitanita und der Capitano steigen voller Vorfreude in den Flieger und können es kaum erwarten in Palma zu landen: 2 Wochen liegen vor uns, mit Alegría.

Vom Flughafen geht es per Taxi direkt zur Marina La Lonja, dem Heimathafen der Alegría. Frisch weiß poliert und mit neuer Genua (statt Fock) liegt sie in der Abendsonne Palmas. Und selbst das Alegría-Bier ist bereits kalt gestellt: Prost John!

Der Samstag abend vergeht schnell mit Yachtübernahme und -einrichten und die Crew fällt müde in die Kojen. Das leise Schaukeln des Schiffes wiegt uns in den Schlaf.

 

Am Sonntag steht für den Capitano ersteinmal "Einkaufen" auf dem Törnplan, während die Jefa alles Notwendige im Hafen veranlasst. Schon kurze Zeit später heißt es "Leinen los!".

Endlich wieder segeln, den Wind auf der Haut spüren und die frische Seeluft atmen. Noch im Hafen von Palma denkt die Jefa an Poseidon und Neptun und opfert einen Schluck den Göttern und bittet um eine sichere Passage für Alegría und ihre Crew.

In der Bahía de Palma die Segel gesetzt und sofort zeigt die Genua ihr ganzes Können und es geht in Rauschefahrt über die Bucht Richtung CN S´Arenal, unserem ersten Stopp. Die Formalitäten sind schnell erledigt und der Nachmittag gehört dem clubeigenen Pool, von dem aus man einen wundervollen Blick über den Hafen hat.

 

Montag um 1000 sagen wir "Hasta la proxima, Arenal". Vorbei am Cabo Enderrocat geht es zum Cabo Blanco und von dort zum legendären Strand Es Trenc. Hier wird der Anker in glasklares, türkisfarbenes Wasser geworfen. Die Badeplattform runter und rein in die Wellen. Die wenigen Meter in den Hafen des Club Nautico Sa Rapita legen wir motorend zurück, der Liegeplatz ist schnell gefunden und abends sind wir Gäste des Hafen-Restaurants mit einem beeindruckenden Blick über den Strand und einer legendären Fischplatte.

 

Dienstag morgen sind die wenigen Schritte zum Strand schnell zurückgelegt. Uns beeindruckt der Morgennebel, die ruhige See und das kühle Bad. Aber es lockt das Tagesziel Portocolom. Mit einem sehnsüchtigen Blick segeln wir entlang Es Trenc zum südlichsten Punkt Mallorcas, Cabo Salines, welches wir dicht an Backbord passieren, um auch hier die atemberaubend vielfältigen Blauschattierungen des Meeres zu genießen. Die Winde sind günstig und so setzen wir den Code Zero; Kurs NE entlang der zahlreichen Buchten der Ostküste direkt hinein in die kleine Cala Marsal, den Anker gesetzt und rein ins Vergnügen. Die Capitanita schwimmt gleich an die Klippen, klettert eine Badeleiter hoch ... und springt aus gut 3 Metern mutig von einer kleinen Klippe in das kristallklare Wasser.

Die Alegría macht später in Portocolom am Steg des Puerto Publico (PortsIB) fest und die Crew erkundet die kleine Hafenstadt entlang der Promenade bis zu einem kleinen einheimischen Restaurant am Marktplatz, von dem aus man einen tollen Blick über die weitläufige Bucht und das Bojenfeld hat. Ob bei diesem Blick schon eine Vorentscheidung über die Planänderung fällt ...?

 

Mittwoch. Ein neuer Tag. Ein neuer Monat. Ein neuer Hafen.

Die Cala Marsal laufen wir erneut zu einem ausgedehnten Badestopp an, bevor die Jefa die Segel für den kurzen Schlag nach Porto Cristo setzen lässt. Jeder Zehntelknoten mehr Geschwindigkeit wird mit einem lauten "Yippieh!" gefeiert und gibt einen ersten Vorgeschmack auf die kommende Regatta Anfang November.

Wir haben wieder im Puerto Publico reserviert. Dieser liegt steuerbords des tiefeinschneidenden Hafens direkt unterhalb der Altstadt und kaum 100 Meter neben dem Strand; gegenüber im Club Nautico müssten wir jetzt erstmal um den "Fjord" laufen.

Die zahlreichen Geschäfte locken die Jefa und die Capitanita; schnell sind ein/zwei "dringend benötigte" Kleinigkeit geshoppt. Den Abend lassen wir im Patio eines kleinen Restaurants oberhalb des Hafens bei einer leckeren Tarta Chocolata, einem Glas Sangría für "die Alten" und Pfirsichsaft für die Capitanita ausklingen.

Nicht unerwähnt lassen wir den kleinen, sehr schmerzhaften Unfall der Jefa, denn dieser führt abschließend zur Touränderung; der Weg weiter nach Norden Richtung Alcudia bleibt dem nächsten Törn vorbehalten.

 

Zum Glück haben wir bei PortsIB schon im Vorfeld für heute, Donnerstag, zwei Häfen reserviert. Cala Rajada im Norden und Cala Figuera südlich. Die Crew entscheidet sich für Kurs SW, auch weil die Wetterberichte einen möglichen Mistral vorhersagen, aber hauptsächlich weil die Jefa als Skipperin nahezu ausfällt. Aber die Capitanita und der Capitano bringen die Alegría sicher in den kleinen (nur maximal 6 Gastlieger) Fischerhafen von Cala Figuera. Hier lohnt ein Ausflug zu Fuß rund um die Bucht, entlang der bis an das Hafenbecken ragenden Fischerhäuser bis zur Landzunge und zurück.

Abends geht die Crew eine wirklich phantastische Pizza essen und genießt den Blick über die schmale Cala mit ihren steil aufragenden Klippen zu beiden Seiten. Definitiv ein Highlight.

 

Ein früher Anruf am Freitag klärt den weiteren Törnverlauf. Das Bojenfeld des Club Nautico Portocolom wird unsere Station für die nächsten drei Nächte sein. Zunächst aber ankern wir in der nur wenige Minuten südlich von Cala Figuera gelegenen Cala Lombards und setzen mittags dann Segel für den kurzen Schlag zurück nach Portocolom.

Der Marinero zeigt uns unsere Boje und hilft der Alegría beim Anlegen. Das Dinghi, bisher eher Decksbalast denn Wasserfahrzeug, gleitet in sein Element; der Außenbordmotor ist schnell installiert und schon knattert die Jefa mit dem Capitano an Land. Waschtag.

Während die Shirts in der Trommel rotieren, besichtigt die Landmannschaft die Altstadt von Portocolom. An der kleinen Kirche angekommen, findet sich schnell ein uriges Restaurant, in dem kurzentschlossen für den Abend reserviert wird.

 

Samstag und Sonntag sind Cala-Tage. Die Alegría führt uns einige Seemeilen entlang der Küste nach Norden in die Cala Magraner. Auf dem Weg dorthin ziehen wir, entgegen der Gewohnheit des Capitanos, unter Motor das Dinghi hinter uns her, was die Capitanita dazu inspiriert, hineinzuklettern und sich ziehen zu lassen. Die Jefa nennt sie "mein kleiner Feger".

Als zweites Schiff in der Cala angekommen, suchen wir uns einen wunderschönen Ankerplatz. Dass dieser rund eine Stunde später durch ein dieselstinkendes Ausflugsschiff rücksichtslos, nahankernd und völlig unnötig versaut wird, tut der Freude über diese sonst ruhige Bucht leider einen kleinen Abbruch.

Der Crew reicht es; sie setzt ihren Weg entlang der Küste fort und besucht als nächstes die Cala Antena. Hier begrüßt uns ein Höhlenvorsprung, den die Capitanita und der Capitano gemeinsam erkunden. Zahllose bunte Fische begleiten uns in die vorrangig von Fledermäusen bewohnte Höhle.

Zurück an Bord ruft es plötzlich aus dem Wasser. Ein Mann schwimmt vorbei und wedelt mit zwei/drei Plastiktüten. Auf unsere fragenden Blicke antwortet er, dass er Australier sei und man dort von klein auf lerne, dass Plastik aus dem Wasser genommen und vernünftig entsorgt wird. Wenn nur ein paar mehr Besucher der vielen Buchten so denken und handeln würden, dann müssten wir uns nicht so viele Sorgen um die Verseuchung der Meere mit Plastikmüll machen. Die Crew der Alegría wird, dem Vorbild folgend, zukünftig noch umsichtiger mit Plastik umgehen! Ta ´n´ G´Day Mate!

 

Sonntag geht´s erneut "nur" die paar Meter in die Cala Marsal, die sich definitiv zur Lieblingsbucht der Crew entwickelt hat. Aber heute ist´s dort so voll, dass selbst das sonst so forsch-schnelle Ausflugsboot vorsichtig navigiert. Der restliche Tag vergeht im chill-mode (u.a. komponiert die Capitanita den "Fatima-Song") und die Alegría legt nachmittags wieder an ihrer Boje an.

Am Abend dann fährt der Capitano an Land in das bekannte Restaurant, um dort das Abendessen für die Crew zu holen. Da dort heute eine 2-Mann-Band live spielt, überredet der Capitano die Jefa zu einem Ausflug mit dem Dinghi; ein/zwei Gläschen Wein später findet die Landcrew zurück an Bord ihren erholsamen Schlaf.

 

Die Capitanita und der Capitano denken "endlich mal wieder Strecke segeln" und schon setzt die Crew am Montag morgen auf ihrem Kurs Richtung Marina Cala d´Or die Segel. Der Wind steht wieder sehr günstig und der zusätzlich zum ungerefften Groß gesetzte Code-Zero lässt die Alegría großartig segeln. "Viel zu schnell" haben wir die wenigen 15 Seemeilen zurückgelegt, aber die Crew hat soviel über diese Bucht und ihren Hafen gehört, dass ein frühes Einlaufen nicht weiter stört.

Die Jefa selbst wird Alegría in den Hafen bringen. Die extrem schmale Zufahrt und die zahlreichen, zum Teil recht großen Boote links und rechts der Bucht erfordern alle Aufmerksamkeit von der Crew. Der Steg ganz am Ende der langgezogenen Bucht ist ruhig und sicher. Direkt unter dem Yacht-Club des Ortes zu liegen bringt die Crew auf die Idee, im Club-Pool einige Runden zu drehen. Ein ausgedehnter Spaziergang entlang beider Promenaden führt uns, nach einem neuerlichen Bunkern von Wasser und Brot, für den Abend in ein Steak-Restaurant. Die Jefa und ihr Capitano genießen zum Abschluss des Tages zwei wirklich sehr gute Gin Tonic in der Lounge des Yacht-Clubs und blicken dabei auf Alegría ... und einige andere Yachten.

 

Der Dienstag verspricht den Törn nach Isla Cabrera. Die Alegría hat hier erstmals und für zwei Nächte eine der wenigen Bojen in diesem Naturschutzgebiet reserviert (Permit). Cala d´Or verlassen wir gegen 1100 und setzen, kaum aus dem Hafen raus, Groß und Code-Zero. Beide bringen uns auf gute 8,5 kn (geloggt). Die Überfahrt hat fast etwas Magisches; die der Hauptinsel Mallorca vorgelagerten Inseln sind am Horizont gut erkennbar, und trotzdem weiß man, dass nur wenige der übrigen Yachten den gleichen Kurs gesetzt haben.

Piratengleich fährt die Alegría, fast ehrfürchtig, in Schleichfahrt in die Bucht von Cabrera auf der Suche nach einer Boje. Nach kurzer Zeit kommt der Marinero und kontrolliert kurz das erforderliche Permit. Danach setzen wir mit dem Dinghi über und klettern in der Abendsonne zur Burg rauf. Der Ausblick belohnt für die Mühe.

Über die Eidechsen auf Cabrera haben wir schon viel gelesen, aber dass es so viele sind und dazu noch so wenig scheu, dass überrascht uns schon. Die kleinen Viecher krabbeln einem fast über die Füße.

Wir lassen den Abend in der "Capitanía", der einzigen Bar auf Cabrera, gemütlich bei einem Vino de la Casa ausklingen. Die Stille der Bucht ist in der Hochsaison überbewertet, ausgelassene Feiern an Bord übertönen das Zirpen der Grillen. Wunderschön jedoch der ungetrübte Blick auf die Milchstraße und die zahllosen Stern(schnupp)en.

 

Für den heutigen Mittwoch haben wir uns den Besuch des Museums auf Cabrera vorgenommen. Es geht um die wechselvolle Geschichte der kleinen Insel(n), die zurück bis in die Zeit der Phönizier reicht. Auch die weniger ruhmreiche Zeit Cabreras wird nicht ausgespart.

Nachmittags nimmt der Wind, auch in der ansonsten sehr gut geschützten Bucht, deutlich zu. Das war zwar angesagt, macht der Jefa aber trotzdem ein wenig Sorge wegen der morgigen Überfahrt. Das ursprüngliche Ziel, den Club de Vela in Puerto d´Antratx, haben wir sowieso bereits verworfen. Statt dessen geht es direkt nach Palma in die La Lonja.

 

Der Donnerstag beginnt mit einer guten Nachricht - der Wind ist konstant. Die Alegría und ihre Crew sagt leise "Servus" zur Isla Cabrera und setzt Segel Richtung Palma. Zunächst allerdings nur das Groß ungerefft, denn die Düse zwischen Cabrera und der Nachbarinsel steht genau aufs Heck unserer Alegría und beschleunigt uns auf gute 7 kn. Später nimmt der Capitano noch den Code Zero dazu und knallt mit geloggten 9,5 kn über die Bahía. Der Hafen kommt also schnell näher und bereits am frühen nachmittag macht die Alegría an ihrem Stammplatz fest.

 

Über 210 Seemeilen liegen im Kielwasser der Crew. Sieben Häfen und sieben Buchten wurden besucht. Ein schöner Törn, darin sind sich die Jefa, die Capitanita und der Capitano einig, neigt sich dem Ende zu.

 

Der Freitag beginnt mit einem opulenten Frühstück, gefolgt von einer nicht minder opulenten Fischplatte in der Lieblingsbar der Crew "Bar d´es Mercat" im Mercat Santa Catalina.

Und dann ist schon "Tasche packen" angesagt, denn morgen früh um fünf steht das Taxi bereit und bringt uns zum Flughafen.

 

Nach dem Törn ist vor dem Törn.

Bis bald Alegría!

 

Komm mit uns an Bord!