Frühjahr 2019: Mallorca Ibiza Formentera

Vier wundervolle Segelwochen liegen vor Alegría, der Jefa und ihrem Capitano. Geplant war ein Törn an das spanische Festland. Geworden ist es eine ausgiebige balearische Inselerkundung. Aber der Reihe nach.

Der Capitano plante und plante im Vorfeld; schöne Häfen entlang der Route wurden reserviert, segelbare Strecken  herausgesucht, vielfältige Törn- und Revierführer durchgearbeitet und interessante Ausflugsziele an Land gesucht.

Nur leider hat der Capitano "vergessen" das passende Wetter für Ende März/Anfang April zu bestellen.

 

Sonntags lag Alegría für uns bereit. Einkaufen, Bunkern, Übergabe, Papiere ... alles war schnell und gewohnt professionell mit John von Yates Mallorca erledigt. Also lief Alegría am frühen Montagmorgen aus; die Jefa bat Neptun und Poseidon um eine gute Passage für das Schiff und die Crew und schon ging´s bei wundervollem Wetter los in Richtung Port d´Antratx, der ersten (noch planmäßigen!) Station der Reise. Es sollte eine Rauschefahrt werden; der kräftige Nordost brachte uns rekordverdächtig in unter 4 Stunden ans Ziel. 24 sm wurden geloggt.
Da wir uns Zeit für unser Abenteuer lassen wollten, buchten wir Andratx für zwei Nächte und liefen am Mittwoch noch vor Sonnenaufgang aus in Richtung

 

IBIZA!

Das erste Ziel auf der Reise war Sant Antoni de Portmany auf der Westseite von Ibiza. Geplante 60 sm Überfahrt; Kurs Südwest.
Als die ersten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont den Blick auf Mallorca achteraus erhellten, war noch nicht absehbar, dass das über die letzten Tage konstant angesagte schöne Wetter mit dem realen Wetter irgendwie nicht übereinstimmen sollte. Die Überfahrt begann unter Vollzeug mit Code Zero, der jedoch nach 30 Minuten geborgen und gegen die Genua getauscht werden musste. Der nordwestliche Wind nahm weiter zu. Und mit ihm die achterlichen Wellen. Seemeile für Seemeile wurde Mallorca kleiner und die Wellen größer.
Ibiza kam mittags in Sicht.

Die Ansteuerung des Zielhafens sollte eigentlich keine Probleme machen. Aber dass sich Ibiza soooo lang zieht und dass der Hafen wieder nicht "hinter der nächsten Klippe" war, ermüdete die kleine 2er-Crew zusehends.
Nach über 10 Stunden lag Sant Antoni endlich voraus. Nach dem Anlegen im Kommunalhafen fragten die Marineros, wie die Überfahrt gewesen sei, schließlich hätten die Fischer von 4-Meter-Wellen (las olas) berichtet. "Anstrengend!" wäre die Antwort gewesen; aber das spanische Wort (agotador) wollte den Erschöpften einfach nicht einfallen ...
Die kleine Crew fiel müde in die Koje, die leisen Wellen im gut geschützten Hafen wiegten uns in den verdienten Schlaf.

 

Donnerstag:

San Antoni ist bekannt für seine berühmten langen Abende mit Sonnenuntergang und Party. Die Jefa und ihr Capitano wollen sich das trotz Überfahrtstrapazen nicht entgehen lassen und machen einen ersten kurzen Ausflug auf die Hafenklippe und stellen überrascht fest, dass die Straßen nahezu menschenleer sind. Das soll Ibiza sein? Ja. Während der Nebensaison. Denn dann ist hier nix los! Selbst das weltberühmte "Café del Mar" ist geschlossen. Zum Glück findet sich eine offene Bar. Leckere Cocktails mit Blick gen Westen. Westen?! Da war doch was?! Ach ja.

Morgen früh geht es zur nächsten Überfahrt nach Denía. Steht im Capitano-Plan. 60 Meilen.
Ein zweiter Cocktail bringt die Erkenntnis, dass Ibiza doch auch ganz schön sei.
Und ein dritter den Entschluss, Denía Denía sein zu lassen und erstmal hier zu bleiben.

Die Hafenformalitäten sind sehr schnell geklärt. Kein Problem. Der Hafen ist sowieso leer. Es ist Nebensaison ...

 

Freitag ist Buchtenbummeltag. Keine 5 Seemeilen nördlich von Sant Antoni liegt die wunderschöne und geschützte Cala Salada. Die Jefa und der Capitano wagen es und gehen schwimmen. Bbbrrrrrrrr .... die Luft mag ja schon gute 20 Grad in der Sonne haben; das Wasser ist klirrekalt. Aber schön ist´s doch!
Nachmittags bringt uns Alegría quer über die Bucht von Sant Antoni in die nicht minder schöne Cala Bossa. Wir lesen im Revierführer, dass beide Buchten im Sommer völlig überfüllt mit Booten seien und es nur mit reichlich Glück gelinge, dort einen Liegeplatz zu ergattern.
Wir sind allein!
Die Nebensaison hat eben auch was Gutes.

 

Am Samstag ist das Wetter schlecht. Aber Ibiza ist ein tolle Insel, nicht nur vom Wasser aus. Die Jefa kommt auf die Idee, den Tag zum Sightseeing zu nutzen. Schnell wird ein Auto gemietet (wobei "schnell" bedeutet, zunächst überhaupt eine geöffnete Mietwagenstation zu finden) und im Reiseführer nach einer abwechslungsreichen Route gesucht. Auf nach Norden! Und siehe da - Ibiza hat, wie Mallorca auch, wunderschöne Ecken, die der Massenpartytourismus links liegen lässt und die sich dadurch ihren ursprünglich-balearischen Charme erhalten haben. Mit tollen Eindrücken geht es zurück in den Hafen.

 

Montag:

Adios Ibiza!
Für heute
steht die Überfahrt nach Formentera auf dem neuen Törnplan. Bei Windstille und Nebel legt Alegría ab und motort um die vorgelagerten Inselchen Richtung Süden. Der äußersten Südwestspitze vorgelagert liegt die Pirateninsel "es Vedranell". Die nach Süden offene hufeisenförmige Bucht bot im 16. Jahrhundert den Freibeutern einerseits ausreichenden Schutz und außerdem freie Sicht auf passierende Schiffe. Der Capitano fährt, fast erfürchtigt, langsam mit Alegría in die enge Bucht. Diese bietet kaum mehr Platz als für eine enge Rundung notwendig; die Felswände ragen steil auf und man(n) kann sich vorstellen, wie die harten Kerle hier tage- und wochenlang auf Beute lauernd ausharrten. Jack Sparrow lässt grüßen.

Kurze Zeit später verlässt Alegría die Landabdeckung und der Wind frischt an der Südspitze der Insel merklich auf. Nordwind bei Kurs Ostsüdost verheißt optimalen Halbwind. Schnell sind Groß und Code-Zero gesetzt und der Capitano strahlt über das ganze Gesicht ob der konstant gut sieben Knoten Geschwindigkei von Alegría.

La Savina, der einzige Hafen auf Formentera, ist das Etappenziel. Hier im Sommer einen Liegeplatz zu ergattern gleicht einem seglerischen Hauptgewinn. Aber in der Nebensaison ...?
Die Einfahrt in den Hafen ist als tückisch bekannt; flach, mit reichlich Schwell und ständig verkehrenden Speed-Ferries. Der zugewiesene Liegeplatz bietet eine Sensation. Das Wasser im Hafen (!) ist so klar, dass man am Boden die Mooringleinen erkennen kann. Aber mit jeder nächsten Fähre kommt neuer Schwell in den Hafen, so dass der Marinero (scheinbar der Einzige, der heute auf der Insel arbeitet) uns davor warnt, allzu dicht an den Steg anzulegen; lieber etwas mehr Abstand. Machen wir!

Und die Anmeldung im Hafenbüro? "Mañana!" Immerhin loggen wir heute 36 Seemeilen.

 

Vier Tage für eine Insel, die kleiner als Bremerhaven (also kaum größer als ein Fußballplatz) ist. War Ibiza ruhig, so ist Formentera verschlafen. Schon die Suche nach einem offenen Supermarkt gestaltet sich schwierig.
Aber schön ist es hier!
Die Jefa und ihr Capitano mieten auch hier einen Wagen und erkunden gemeinsam die gesamte Insel. Zwanzig Minuten später sind sie wieder auf Alegría. :-)
Im ernst; es war ein toller Ausflug und er hat auch länger als 20 Minuten gedauert!
Wir waren am südlichsten Punkt der Balearen, dem auf 120 Meter üN gelegenen Leuchtturm Far des Cap de Barbaria. Beeindruckende Steilküste. Von dort fuhren wir weiter nach Osten, entlang der kaum 1 km breiten Landzunge mit Stränden zu beiden Seiten. Am Ende geht es, man glaubt es kaum, über Serpentinen!! auf gut 190 Meter üN zum Punta de sa Ruda. Ein Blick ins Unendliche ...

Das besondere an diesem Tag ist der sehr starke Wind aus Nord. Im Inselluv türmen sich meterhoch tosende Brandungswellen, kaum 1000 Meter auf der anderen Seite ist das Meer flach und ruhig.

Die restlichen Tage vergehen mit Dösen an Deck, Entspannen in der kleinen Hafenbar bei einem Cortado, mit wunderschönen Dünenspaziergängen entlang berühmter, menschenleerer Buchten und Calas und mit dem Warten auf ein Wetterloch.

 

Samstag ist es soweit. Adios Formentera! War echt nett; und sehr tranquilo. Aber wir wollen weiter.

Der Wind kommt aus Nordost - wir wollen nach Nordwest. Passt!
Der Capitano setzt direkt hinter der Hafenausfahrt Groß und Code-Zero und hat es sich zum Ziel gesetzt, die wegen Strömung und regem Schiffsverkehr durchaus anspruchsvolle sehr enge Passage (kaum 800 Meter) zwischen der Illa de s´Espalmador und den Ibiza vorgelagerten Inselchen und Riffs in einem Rutsch, also ohne große Kreuz, zu durchfahren.
pppssssttt - hat geklappt (Anm. d. Capitanos).


Die Marina Ibiza Magna direkt unterhalb der Altstadt von Ibiza Stadt hat Liegeplätze frei. Alegría macht für eine Woche dort fest, wo sonst
die "Schönen und Reichen" auf ihren Superyachten liegen. Cooollll ... In der nahen Capitanía erzählt uns die sehr gewiefte Marinera, dass, sollte es überhaupt einen Liegeplatz geben, dieser in der Hauptsaison für eine Nacht teurer sei als unsere ganze Woche.
Nebensaison wird langsam zur Metapher dieser Reise.

 

Ibiza ist vielfältig. Mal fährt Alegría zum Badestopp in eine der nahegelegenen leeren Calas, mal machen sich die Jefa und ihr Capitano auf, um die Stadt zu erkunden. Oder beides. Die Altstadt ist beeindruckend schön; das Kastell tront imposant direkt über dem Hafen, die Einkaufstraßen sind bunt und belebt, und die berühmten Kneipen und Clubs sind ... zu.

Aber es gibt ja noch die andere, die schöne Seite Ibizas: Das quasi historische Hippie-Vermächtnis der Insel. Begründet lange bevor die Schicki-Micki-Gesellschaft die Insel für sich entdeckte. Und im Gegensatz zum lauten aber kurzen Hochsaison-Rhythmus des Kommerzes, lebt das Ursprüngliche und Alternative das ganze Jahr über. Als die Crew mit dem Leihwagen die Ostseite der Insel erkundet, landet sie unversehens auf einem Dorffest mit Wein, Tapas, Musik und superentspannten Menschen. Zeit für eine ausgedehnte Pause. Wäre es doch nur nicht so doof kühl heute abend ... die Nebensaison hat eben auch Nachteile ... 

 

Die Tage in Ibiza-Stadt vergehen wie im Flug und nach knapp einer Woche will die Crew weiter.
Santa Eulalia, nur wenige Seemeilen nördlich von Ibiza Stadt und in der Hochsaison meist der einzige Hafen mit wenigen verfügbaren Liegeplätzen, ruft. Das Wetter spielt nicht wirklich mit und wir motoren den kurzen Weg, um früh im Hafen zu sein. Dass die Registrierung in der Capitanía über eine dreiviertel Stunde dauert - geschenkt!
Wir werden mit einem ruhigen Liegeplatz versöhnt; keine Fähren im Viertelstundentakt wie in Ibiza Stadt oder Formentera. Die Jefa liest im Reiseführer vom berühmten Hippie-Market Las Dalías im Landesinneren. Das müssen wir sehen! Mit dem Linienbus ist man in gut einer Stunde dort. Ein staubiger Platz mit dutzenden Verkaufsständen. Allerlei Nutzloses, sehr viel Wunderschönes, ein Atmosphäre wie in den 70ern, mit einem unverwechselbaren "Duft", dazu eine Bar mit leckeren Drinks und einer wirklich köstlichen Paella, Live-Musik ... einfach unbeschreiblich schön. Ein Highlight! Und, wie uns umstehende Wissende berichten, längst nicht so überlaufen wie im Sommer. Wir bleiben bei Traumwetter bis zum frühen Abend und genießen das außergewöhnliche Ambiente.

 

Die Marina Santa Eulalia war für drei Tage ein toller Gastgeber, aber Alegría zieht es zurück nach Mallorca. Die nächste Passage mit über 65 Seemeilen steht an und die kleine Crew bereitet sich auf 10 Stunden segeln vor. Bei Sonnenaufgang verlassen wir den Hafen und steuern Nord, vorbei an Calas und vorgelagerten Inseln Richtung Palma. Der vorhergesagte Wind bleibt nahezu vollständig aus; selbst Groß und Code Zero bringen uns auf kaum mehr als 3 Knoten. Was bleibt sind der Motor und die Hoffnung auf ein wenig mehr Wind. Dieser setzt mittags ein und mit Groß und Code-Zero nähern wir uns Mallorca. Wir beschließen, die Marina von Port Adriano anzulaufen. Keine gute Idee, wie sich herausstellen sollte.

 

Zurück auf Mallorca!

Natürlich sind die Nachbarinseln wunderschön.
Aber am Schönsten ist es eben doch zu Hause.

Außer man landet in Port Adriano. Alegría besucht den künstlichen Designer-Hafen des berühmten Architekten Philippe Starck (der auch die Steve Jobs Yacht "Venus" entwarf) zum ersten, und vermutlich auch letzten, Mal. Wir liegen, obwohl im geschützten Hafenbecken innen reichlich Plätze frei sind, an der Außenmole nahe der Tankstelle; dem Schwell aus Süd schutz- und ruhelos ausgeliefert. Da hilft auch der Golfkarren-Fahrservice zum Hafenbüro wenig. Die Jefa und ihr Capitano gehen zwar im Hafenrestaurant gut essen, aber der Gesamteindruck wird durch den miesen Liegeplatz erheblich gemindert. Sei´s drum.

Eine Nacht. Na und?

 

Palma! Wir kommen.

Wind aus Süd. Traumhaft für den kommenden Trip über die Bucht, grausam für die vergangene Nacht wegen Schwells.

Wir legen früh ab, leider ohne das sonst beim Ablegen oft aufkommende Gefühl von Wehmut, und segeln um das Cap Figuera mit dem markanten Leuchtturm unter Groß und Code Zero direkt Richtung Palma.
Mittags wird es voll in der Bucht. Regatta Princesa Sofía; eines der großen Segel-Events auf der Insel.
Alegría läuft unbeirrt im Schmetterling mit "Wind von steuerbord" auf das Teilnehmerfeld zu. Die ersten Begleitboote beäugen uns argwöhnisch und kommen näher. Aber bevor es auch nur zu einem Hauch von Konfrontation kommen könnte, holt der Capitano die Segel über und macht einen großen Bogen ums Feld - wir wollen ja nicht stören ...

 

La Lonja; und 325 Seemeilen im Kielwasser.
Es bleiben noch drei herrliche Tage in Palma bis zur Abreise, die die Crew wahlweise in einer Bucht vor Anker oder in der Bar des Mercat verbringt. Beides wunderschöne Orte, um die letzten vier Wochen Revue passieren zu lassen und schon jetzt, kaum angekommen, von neuen Abenteuern und Törns zu träumen.

"Duuhu, wir waren noch nie auf Menorca ...."

 

Nach dem Törn ist vor dem Törn, diesmal nach Menorca.

Bis bald Alegría!

 

Komm mit uns an Bord!