Von Holland nach Hause

Meine Leute sind der festen Überzeugung, dass ich nach Düsseldorf umziehen soll. Und da ich das mit Sicherheit nicht allein hinbekommen werde, haben sie mir ihre Hilfe angeboten.
Anfangs lag ich in Heerenveen in Friesland bei Martijn in einer Art Yachten-Kaufhaus. Dort sollten mich meine Leute an einem sonnigen Sonntag erstmals sehen und was soll ich sagen? Es war wohl Liebe auf den ersten Blick, denn kaum drei Tage später kamen sie wieder den langen Weg aus Deutschland, um mich richtig kennenzulernen und mit mir eine Probefahrt zu machen.
Kaum zurück bei Martijn war der Vertrag geschlossen und ich hatte neue Besitzer. Hurra! Endlich wieder fahren.

 

Zugegeben. Nicht alles an mir war perfekt. Ein paar Kleinigkeiten waren schon noch zu tun, aber de Skipper un syn Frou kamen wieder ein paar Tage später mit reichlich Schnickschnack, sehr viel Engagement und wenig Zeit an Bord. Das phantastische Frühherbstwetter mit Spätsommertemperaturen musste für die erste Etappe Richtung neuer Heimat unbedingt genutzt werden.

 

Und so ging es von Heerenveen nach Lemmer, meiner ersten Station auf dem langen Weg nach Düsseldorf. Nach wenigen hundert Metern Fahrt das erste Problem. De Skipper un syn Frou hatten die Reise minutiös geplant, Karten und Bücher gewälzt, Pläne gemacht und wieder verworfen; aber diese Brücke war in keiner Karte verzeichnet und der deutlich kürzere Weg. Ich machte mich also gaanz klein, meine Leute duckten sich und in Schleichfahrt ging es mit reichlich 10 Zentimetern Platz durch die Unterführung. Das erste gemeinsame Abenteuer bestanden. Wir drei waren mächtig stolz auf uns. Sowas schweißt zusammen.

 

Irgendwann hatte ich Durst. Das war nicht überraschend und eingeplant. Da aber die Tankstelle dann doch nicht hinter, sondern vor, der Zugbrücke war und wir drei nicht wieder zurück wollten, musste ich mich noch einige Kilometer gedulden. Aber in Sneek war dann eine Tankstelle schnell gefunden und angelaufen und ich konnte mir so richtig den Bauch vollschlagen. Fast 200 Liter lecker Holland-Diesel. Hmmmmmhhhh ...

 

Drei Stunden und eine Schleuse später kamen wir wohlbehalten im Stadthafen von Lemmer an. Meine Leute gingen bummeln, schauten sich die Altstadt an, shoppten ein/zwei Dinge, gingen gemütlich essen und wir drei gingen früh zu Bett. Morgen steht Zwolle auf dem Programm.

 

Gleich nach dem Aufstehen durch die erste Schleuse. Danach Kanaal, Bruggetje, Kanaal, Bruggetje, Kanaal, Sluis.
Besonders vor Schleusen hatten wir drei mächtigen Respekt. Mal im Päckchen als Dritter mitten in der riesigen Schleusenkammer direkt hinter einem Gewerblichen, mal nur ein paar Zentimeter rauf, mal ganz allein in der Kammer fast fünfeinhalb Meter runter. Aber mit ein wenig Routine kann man die Zeit, wie unsere NachbarschleuserIn, auch einfach nur zum Fensterputzen nutzen. Und auch die Brücken machen uns keine Sorgen mehr; ranfahren, Knopf drücken, wenige Minuten warten und schon gehen diese Meisterwerke holländischer Ingenieurskunst wie von Geisterhand gezogen auf. Und auf das Augenmaß der weit entfernt sitzenden Brückenwärter kann man sich verlassen; wenn die sagen "het past", dann passt das auch ...
Am Ende des Tages legen wir in Zwolle an, direkt an der Hafenmauer der wunderschönen Altstadt. Meine Leute gehen wieder bummeln und ich habe ein paar Stunden Zeit, um mich zu erholen und auf den nächsten Tag vorzubereiten.

 

Auf geht´s nach Deventer. Eine alte Hansestadt und schon Großstadt lange bevor man über Amsterdam als Metropole nachdachte. Nur noch eine letzte Schleuse bis Düsseldorf! Aber genau die wird es in sich haben. Und zu einem tollen Ende führen. Aber der Reihe nach. Ablegen in Lemmer, warten auf die erste Brückenöffnung um 11 Uhr, abbiegen in Richtung Ijssel, jenem Flüßchen das dem Ijsselmeer den Namen gab.
Vor der Schleuse liegen schon einige Yachten an den Wartekais als wir kamen. De Skipper entschied sich, an Backbord als letztes Schiff der Reihe festzumachen und näherte sich dem Steg als eine Böe uns erwischte und mich unsanft gegen den Eisensteg drückte. AUA! Die Schramme tut weh. Aber de Skipper un syn Frou nehmen es gelassen, zumal sich die Schleuse öffnet und wir sowieso jetzt rein müssen. Und es geht mal wieder runter; ganze 20 Zentimeter. Für die paar Zentimeter ... hoffentlich bleibt keine Narbe.

Aber alles Schlechte hat auch etwas Gutes. Wir lernen die hilfsbereiten Skipper auf einer anderen Yacht kennen, die zufällig den gleichen Weg wie wir haben. Also verabreden sich die beiden Crews für den Abend auf ein Bierchen im Hafen .
Wir waren ein paar Minuten früher im Hafen und hatten schon gut festgemacht als Christian zu uns kam. Meine Leute unterhielten sich ein paar Minuten und kamen, zufällig, auf mein größtes Problem zu sprechen - meinen Landstrom. Und wie der Zufall es so will; Christian ist Elektriker. Sekunden später kam er mit einem Prüfgerät zu mir an Bord und schaute in meinen Batteriebauch. Der Fehler war schnell gefunden und meine Anschlüsse sind wieder wie neu. DANKE Christian.

 

Jetzt habe ich einige Tage frei - de Skipper un syn Frou sind in Düsseldorf und ich halte hier im Hafen die Stellung.
Bald geht es weiter nach Hause.

 

Genieße das süße Leben an Bord!